Der Anfang dessen, was jetzt unter dem Begriff „Situative Gesänge“
zusammengefasst wird, war ein Auftrag für die Lauterbacher
Mühle. Die private Herz-Kreislauf-Klinik liegt inmitten eines
wunderbaren Naturschutzgebietes am Grossen Ostersee im Süden von
München. Als ich zum ersten Mal über das Gelände ging,
keimte bald der Wunsch auf, Schubert in diese Landschaft
hineinzusingen. Ich wählte mehrere Stationen aus und
überlegte mir genaue Bild-Ausschnitte, die das Publikum
während eines Liedes jeweils sehen sollte. Da das Publikum sich
meist im Halbkreis um den Sänger herum formiert, kann man die
Blickrichtung und damit das Bild zum Lied recht gut definieren. Am
Ostersee war das etwa ein vermooster Brunnen, ein Bächlein, der
weite Blick auf den See, das enge Umstelltsein von Bäumen, das
Mühlenrad, ein Rosenbusch oder das verlorene Stehen auf weiter
Wiese. Zu diesen Bildern hatte ich Lieder ausgewählt, die den
Blick einerseits in die Landschaft hinausbegleiteten dann aber auch
immer wieder zu den Hörenden selbst zurückführten. Die
Begleitungen für die ausgewählten Lieder hatte ich zusammen
mit meinen Pianisten vorproduziert und dann auf einem Cassettenplayer
in der Abfolge der Stationen angeordnet. Der Player war mit zwei
kleinen Aktivboxen verbunden, die in einem speziell für diese
Aktion konstruierten Trichter aus festem Karton eingebaut waren. Mit
dieser leichten Konstruktion war ich sehr frei und konnte meinen Live
Gesang zusammen mit der Begleitung aus dem Trichter in die Landschaft
giessen. Die Aktion gefiel; sie wurde mehrmals wiederholt und ich
begann das Prinzip auch auf andere Orte anzuwenden. Zunächst vor
allem auf Wessobrunn, wo Kloster, Gasthof zur Post und das Umfeld
spannende Veduten anbieten und wo die reiche Geschichte auch viele
musikalische Assoziationen eröffnet. Durch den Wechsel von Innen-
und Aussenräumen wurde hier auch zum ersten Mal der Hall der
verschiedenen Räume ganz klar thematisierbar. Die gleiche Stimme
erklang je nach Baumaterialien und Grösse der Räume immer
anders. Auch gehörten zu diesen Räumen oft eindeutige
Geräusche, die in die Gesamtwirkung mit einbezogen werden konnten.
Von da an zeigten mir Auftraggeber immer wieder andere Orte, die mir
verschiedenste Melodien zuspielten. Hier einige der besungenen
Situationen:
Der Sänger und Performer Walter
Siegfried entwickelt für den Autraggeber je nach Situation
einen spezifischen Spaziergang mit 6-8 verschiedenen musikalischen
Stationen. Gesamtdauer nach Absprache.
a) Vorarbeiten
Besuch vor Ort, Gespräche
Auswahl der Stationen
Entwurf des Weges
Repertoire-Recherche
Einstudieren der neuen Stücke mit Pianist
definitive Entscheidung von Repertoire und Weg
Einspielung der Begleitungen (mit Pianist im Tonstudio)
Herstellung der Soundfiles für Spaziergang
Herstellung (falls gewünscht) von Programmfolder
b) Auftritt
Übungsphase Repertoire mit Technik
Bereitstellung Technik (Lautsprecher-Rucksack vgl. Bild)
Anreise mit Materialien
Check und Lagerung
Wege und Stationencheck
Letzte Absprachen vor Ort
Auftritt
Der definitive Preis hängt besonders auch von der Frage ab, ob und
ggf. wie viele neue Stücke ins Repertoire aufgenommen werden
müssen. Für die Recherchenreise ist ein frühzeitiger
Kontakt mit dem Veranstalter hilfreich. Ideal ist für eine solche
Recherchenreise auch der (nach Möglichkeit vom Veranstalter
hergestellte) Kontakt zu Personen, die mit dem Ort sehr vertraut sind.